Ökologische Aspekte

Streuobstwiesen zählen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Es gibt bundesweit nur noch wenige Streuobstwiesen. Grund dafür ist eine Agrarpolitik, die nicht auf Geschmack und ökologisch verträgliche Anbauweise, sondern auf Form, Farbe und Größe zum Maßstab für Handelsklassen – und damit Verkaufspreise – erhebt. Um unter dem Preisdruck von Importobst und seinen Produkten bestehen zu können, haben die Landwirte in Deutschland nach und nach auf ertragreiche, maschinengerechte Niederstammplantagen umgestellt. Die Produkte des Streuobstanbaus konnten damit preislich nicht mehr konkurrieren, wurden deshalb nicht mehr nachgefragt und in der Folge nach und nach vom Markt gedrängt. Auch besteht sehr viel Unwissenheit über die Bedeutung der Streuobstwiesen und dem erforderlichen Fachwissen für Baumpflege.

Deshalb haben wir uns entschlossen, ein Streuobstland zu schaffen; denn Streuobst ist eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Wildtiere. Es geht uns darum, alte ostfriesische Obstsorten (Hochstammbäume) auf unserer Wiese zu pflanzen, mit einem Anteil  von Blühstreifen entlang den Wegen/Lehrpfaden, sowie eine artenreiche Vogelschutzhecke auf der Vögel und Kleinlebewesen das ganze Jahr über Raum und Nahrung finden. Abgesehen davon werden wir selbstverständlich eine „Bewirtschaftung“ ohne chemisch – synthetische Pflanzenschutzmittel und Düngemittel durchführen.

Wir wissen, dass über 5.000 Tier- und Pflanzenarten in Streuobstwiesen leben und somit zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas zählen. Ein Streuobstbaum bietet auf mehreren Stockwerken Lebensraum für viele seltene Vögel und Insekten. Spitz- und Feldmaus leben an seiner Wurzel, Igel, Fasane und Hasen finden dort ein geeignetes Versteck. Der Specht z. B. hämmert sich eine Niststätte und leistet damit den Fledermäusen wertvolle Dienste, die seine verlassene Höhle später beziehen. Im Geäst alter, knorriger Bäume brütet  der Steinkauz.  Der in manchen Bundesländern bereits ausgestorbene Steinmarder und die für Streuobstwiesen charakteristischen Gartenschläfer können hier jagen. Streuobstwiesen stellen ebenfalls eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge u.s.w. dar.

Erholungsraum

Nur wenige Landschaftsformen haben für unsere Erholung eine vergleichbare Attraktivität. Als aufgelockerte Obstwiese oder abwechslungsreiche Grüngürtel sorgen Streuobstbestände für willkommene Abwechslung in unseren immer eintöniger werdenden Landschaften. Streuobstwiesen sind außer einer ökologischen, auch touristisch attraktive Kulturlandschaften.

Kulturgut

Von der kulturellen Bedeutung der Streuobstwiesen zeugen u. a. die vielen Namen, unter denen der vergorene Saft von Äpfeln und Birnen in vielen Regionen Europas seine Anhänger hat: Cidre, Äppelwoi oder Most.

Klimaschutzfaktor

Streuobstwiesen am Rand von Wohngebieten erhöhen deutlich die Lebensqualität der dort lebenden Menschen. Grund dafür ist ihr positiver Einfluss auf das lokale Klima: Jeder gesunde Baum produziert mehr Sauerstoff, als er verbraucht. Bäume verarbeiten Kohlendioxid, beeinflussen die Lokaltemperatur, gleichen die Luftfeuchtigkeit aus, spenden Schatten und filtern die Luft.

Boden- und Wasserschutzfaktor

Mit ihren vielen Baumkronen und der geschlossenen Grasdecke stellt eine Streuobstwiese die landwirtschaftliche Kulturform dar, die am wenigsten anfällig ist für Bodenerosion. Laub, vertrocknete Kräuter und Gräser bilden eine lockere Humusdecke, die zusammen mit den Wurzeln der Hochstämme für eine gute Bodenfruchtbarkeit sorgt.

Weil Streuobstwiesen deshalb kaum gedüngt werden, bleibt der Schadstoffeintrag ins Grundwasser sehr gering.

Bei Projekten zum Erhalt oder Neuanlage von Streuobstwiesen stellt sich auch für uns die Frage, wie man Pflege und Betreuung auf Dauer sicherstellen kann. Auf Dauer sicherstellen bedeutet, dass man sich eingesteht, dass Streuobstwiesen als Mehrgenerationsprojekte angelegt sein müssen. Dies gilt in besonderem Maße, wenn es sich um eine neue Erstbepflanzung handelt.

Die besondere Schwierigkeit bei Neuanlagen ist der lange Zeitraum zwischen Erstpflanzung von Hochstammbäumen und ersten nennenswerten Erträgen, je nach Baum ca. 7 – 10 Jahren.

Eine Streuobstwiese ist ein Biotop, das erst durch Erhaltungspflege über mehrere Generationen seine gesamte Potenz entfaltet.